Crocs groß in Fahrt
Drei Freunde segeln in einem Boot durch die Karibik. Im Gepäck: Ein paar kanadische Clogs und die fixe Idee aus den Kunststoff-Tretern einen praktischen Bootsschuh zu machen. Gesagt, getan: Und was als lustiger Segeltörn beginnt, entwickelt sich binnen vier Jahren zu einem Schuhunternehmen mit einem Jahresumsatz von 355 Millionen Dollar (2006). Ganz einfach durch Mund-zu-Mund Propaganda. Erst kamen die Segelfans, dann Ärzte, Krankenschwestern, Kellner, Lieferwagenfahrer, Gärtner, Briefträger, Köche, Fashion-Victims und viele mehr. Selbst Promis wie Al Pacino, Val Kilmer, Alicia Silverstone, Teri Hatcher oder Jack Nicholson kamen an den bunten Tretern nicht vorbei. Nicht etwa, weil Segeln plötzlich ein neuer Trendsport wäre, sondern weil Crocs einfach himmlisch bequem und unglaublich praktisch sind. Durch das patentierte Material Croslite sind die Schuhe außerdem ultraleicht, rutschfest, ergonomisch und antibakteriell.
Und so wurde innerhalb kürzester Zeit aus einem Drei-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit 3.200 Angestellten, 17.500 Verkaufspunkten in 80 Ländern der Welt und sechs Produktionsstätten (USA, Kanada, China, Italien, Mexiko, Rumänien). Kooperationen mit Disney, Nickelodeon, Warner Brothers oder diversen College-Teams treiben die Markenbekanntheit weiter voran. Darüber hinaus produziert Crocs Schuhe für namhafte Unternehmen wie Google, Tyco, Flexotronics oder die L.A. Lakers. Alleine in der nächsten Frühjahrs-Saison wird es wieder 30 neue Crocs Modelle geben.
Im Februar 2006 gelang dem Unternehmen der erfolgreichste Börsengang der Footwear-Geschichte. 2006 stieg der Gewinn je Aktie um 215.7% auf $1.61 (2005: $0.51) an. Und spätestens jetzt müssten sich eigentlich alle Skeptiker eingestehen, dass aus der anfänglich belächelten „One-Shoe-Company“ ein stattliches Schuhimperium geworden ist. Kein Wunder, denn die Absatzmöglichkeiten sind quasi unerschöpflich.
So läutet Crocs z.B. mit der Übernahme von „Fury Inc.“, einem führenden Hersteller für Hockey- und Lacrosse-Equipment, ein ganz neues Kapitel im Bereich der Sport-Protektoren ein. Aufgrund seines hervorragenden Dämpfungsvermögens eignet sich das patentierte Croslite-Material nämlich bestens für diese Zwecke. In Planung sind z.B. Schienbeinschoner und Hockey-Handschuhe. Ein weiteres, neues Geschäftsfeld sind die so genannten „Komfort Schuhe“, die bereits ein Zertifikat des amerikanischen Verbands der Ärzte für Fußkrankheiten (APMA) erhalten haben. Dabei handelt es sich um orthopädische Schuhe für Menschen mit Diabetes, Arthritis oder Fußleiden. Das Modell „Custom Claude“ verfügt beispielsweise über ein anpassbares, orthopädisches Fußbett.
Der Name Crocs kommt vom amerikanischen „Crocodile“. Krokodil deshalb, weil es sich sowohl an Wasser, als auch an Land wohl fühlt – was auch auf die Crocs-Schuhe zu trifft. So kam es auch, dass das erste Crocs-Modell, der Cayman, optisch an eine Krokodilsschnauze erinnert. Das gemeine Krokodil hat, ist es erst einmal ausgewachsen, keine natürlichen Feinde, was natürlich auch für eine Schuhmarke ein erstrebenswertes Ziel ist. Laut dem European Managing Directors Dick Wijsman, gab es bisher auch noch keinen Markt, wo Crocs nicht funktioniert hätte. Und er ist es schließlich, der seit April 2005 das bunte Krokodil in Europa bekannt macht.
Als Standort für das „European Head Office“ wurde Den Haag in den Niederlanden ausgewählt – Alligatoren fühlen sich am Wasser eben immer noch am wohlsten. Im Dezember 2006 entstand in Wien der erste Crocs-Flagship-Store Europas. In Klagenfurt (Österreich), Kopenhagen (Dänemark) und Umeå (Schweden) folgten weitere Shops.
Um den europäischen Standort noch weiter zu stärken, kaufte Crocs die Produktionsstätte EXO in Padova, Italien und eröffnete dort das Designcenter „Walking Project“. Für Juni 2007 steht außerdem die Eröffnung des europäischen Logistikzentrums „Project BLOW“ in Rotterdam an. Hier bieten voll automatisierte 20.000 qm Platz für grenzenloses Wachstum.
Da steht auch den Shoperöffnungen in Paris und Den Haag nichts mehr im Wege. Des Weiteren sind Stores in London, Berlin, Köln, München und Düsseldorf geplant. Besonders gefragt sind Crocs zurzeit in Großbritannien, Skandinavien und den Benelux-Ländern. Dicht gefolgt von Deutschland, Spanien und der Schweiz.
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