Rumpfkluft: Shirts mal anders
Dass die Menschen auf ihren T-Shirts Humor beweisen wollen, ist zwar einerseits ärgerlich, spart aber auch viel Menschenkenntnis-Aufwand. Denn wer ein Shirt mit „Shakesbeer“ oder dergleichen auf der stolzen Brust spazierenträgt, muss gar nicht erst als ernst zu nehmender Gesprächspartner in Erwägung gezogen werden. So fällt die soziale Selektion gleich viel leichter.
Damit aber jene, die sich von derartigen pseudolustigen Beleidigungen distanzieren wollen, nicht nackt oder im blanken Shirt herumlaufen müssen, gibt es alternative T-Shirt-Shops wie etwa jenen von Max Goldt und Stephan Katz. Der ehemalige Titanic-Schreiber, Comic- und Buchautor und Ex-Mitglied der NDW-Band Foyer des Arts Max Gold beweist schon seit längerem seinen Humor in den verschiedensten Medien. Für Shirt-Frustrierte werden auf Rumpfkluft.de geistreiche Alternativen angeboten.
Als Zielgruppe kann die berühmt-berüchtigte Szene der Bobos gesehen werden: Diesen bietet sich dann die Möglichkeit, ihren Unmut über den von ihnen selbst generierten Coffee Shop-Hype zu verkünden oder Bette Davis’ Gedanken übers Altwerden zu teilen („getting old is not for sissies“).
Wer auch diesen Humor nicht teilt, der bleibe beim bewährten weißen Hemd und übe sich in Zurückhaltung – auch nicht die schlechteste Wahl beim heutigen nicht wenig übertriebenen Mitteilungsbedürfnis von Individuen.
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