Nike springt auf den Vintage-Zug auf
Dabei geht es natürlich nicht in erster Linie darum, das Firmenerbe zu pflegen, sondern um die Gewinnung von Marktanteilen im trendigen Nostalgie-Sektor. Hier ist bisher Adidas mit seiner „Originals“-Linie federführend, und auch Konkurrent Puma wuchert mit prestigeträchtigen 70er-Jahre-Stars wie Pele in diesem Marktsegment.
Dass Nike nicht nur eine eigene Geschichte im Basketballbereich vorweisen kann, will das Unternehmen nun auch den deutschen Konsumenten deutlich machen und den Geist der guten, alten Zeit mit einer Jubiläums-Kollektion zu neuem Leben erwecken. Da trifft es sich, dass das Unternehmen 1972, vor genau 35 Jahren den ersten Laufschuh auf den Markt brachte und so ein Grund zur Güte gefunden werden konnte.
Doch was wäre eine Produkteinführung ohne gute PR-Story. Daher wird kolportiert, dass die umtriebigen Nike-Designer tief in den hauseigenen Archiven gegraben haben, um dort wahre Schätze aus der Sportschuh-Steinzeit zu finden. „Sie erkannten sofort, dass die vor drei Jahrzehnten entworfenen Nike Sportschuhe immer noch modern waren“ so die kommunizierte Legende. „Das besondere Design dieser Schuhe weist eine zeitlose Ästhetik auf, die damals wie heute den einzigartigen Nike-Stil prägt.“
Die neue „Nike Vintage Running Collction“ sei daher ein Tribut an die frühen Jahre, umgesetzt mit innovativen Techniken und nach modernsten Erkenntnissen der Wissenschaft. Es handele sich daher nicht um eine reine Nachbildung der Vergangenheit, sondern um eine Verbindung von Tradition und Innovation. Ein Selbstverständnis, das sicherlich fast jeder Designer gerne für sich reklamieren würde.
Die zwölf Modelle umfassende Kollektion der Vintage-Laufschuhe soll ab Herbst diesen Jahres in Deutschland erhältlich sein, allerdings sicherlich nicht zu Vintage-Preisen. Zu viel Tradition wäre ja auch nicht im Sinne der Anteilseigner, die satte Gewinne und hohe Rendite erwarten.
Trotzdem kann man den modernen Klassikern einen gewissen Coolness-Faktor nicht absprechen. Falls es den Amerikanern gelingt, in den Retro-Markt abseits des Basketball-Segments erfolgreich einzusteigen, müssen sich die bisherigen Platzhirsche Adidas und Puma sicherlich warm anziehen.
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