Wettrüsten im Zeichen des Bikinis
Wie eine Bombe schlug in den 40er-Jahren ein kleiner Fetzen Stoff ein: Der erste Bikini entzündete erneut eine Debatte um Anstand und nackte Haut. P.M. HISTORY erzählt die Geschichte des Bade-Outfits im ewigen Wechselspiel zwischen Mode und Moral - seit der Antike.
Die halbe Welt entrüstete sich, als der Designer Louis Réard am 5.Juli 1946 in einem Pariser Schwimmbad seine jüngste Kreation, den Bikini, präsentierte. Zwei Stoffdreiecke über den Brüsten, dazu ein knappes Höschen. Zu wenig für anständige Frauen? Frankreich, Spanien und Belgien verboten umgehend das öffentliche Tragen der Stoff-Miniatur.
Die neue Bademode war eine kalkulierte Provokation, wie schon ihr Name verrät: Réard wählte das Bikini-Atoll als Namenspatron. Vier Tage vor der Modenschau hatten die Amerikaner dort einen viel beachteten Kernwaffentest durchgeführt, und der Designer ahnte, dass sein Zweiteiler ebenfalls einschlagen würde wie eine Bombe.
Dabei ist das explosive Gemisch von wenig Stoff und viel nackter, weiblicher Haut schon seit der Antike bekannt. Vor 1.600 Jahren trugen römische Animierdamen die enthüllende Wäsche und hüpften damit aufreizend vor den Augen ihrer Kunden herum. Die ehrbaren Bürgerinnen rümpften darüber die Nase. Gebadet wurde zwar nackt, aber streng nachGeschlechtern getrennt.
Es folgte ein Jahrhunderte langes Tauziehen zwischen Freizügigkeit und Verhüllungszwang. Und ausgerechnet im 19. Jahrhundert, als die Prüderie Europa flutete, kam der Badeurlaub in Mode. Die Wellen schwappten hoch - weniger an den Stränden als in den Gemütern. Sogar das Barfußlaufen war für die Damen zunächst eine Revolution.
(ots)
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