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    Montag, 10. Dezember 2007 | Porträt

    Dr. Scholl - Mensch oder Mythos?

    Der Name Dr. Scholl wird üblicherweise sofort wiedererkannt. Wenn man diesen Namen hört, denkt man an Füße. Er gehört zu den Namen, die weltweit den höchsten Wiedererkennungswert haben. Aber viele Leute fragen sich … gibt es wirklich einen Dr. Scholl, oder handelt es sich nur um einen Markennamen.

    (c) Scholl

    (c) Scholl Foundation

    Dr. William Scholl

    Es gab tatsächlich einen echten Dr. Scholl. Er wurde 1882 in La Porte, Indiana geboren und wurde 85 Jahre alt. Er war der Inbegriff eines erstaunlich erfolgreichen Unternehmers und hinterließ seine Spuren in den Annalen der Unternehmensgeschichte. Sein Name wurde auf vielen Kontinenten und in vielen Sprachen zum Schlagwort.

    1904 gründete er in Chicago den Fertigungsbetrieb Scholl Manufacturing Company. Er entwickelte (seinen Angaben nach insgesamt 1000) Mittel gegen „schmerzende Füße“. Die ersten Geschäftsräume waren nur eine kleine Kammer in der West Madison Street. 1907 zog er in die 210 West Schiller Street im Chicagoer Stadtteil Near North Side – diese Adresse blieb der feste Firmensitz. Von hier aus entwickelte sich die Firma zu einem internationalen Unternehmen mit zehn Werken in den Vereinigten Staaten und sechs in Übersee, mit vierhundertdreiundzwanzig Einzelhandelsgeschäften auf der ganzen Welt und über sechstausend Mitarbeitern. Scholl-Artikel wurden in Schuhgeschäften, großen und kleinen Kaufhäusern, Apotheken und in den weltberühmten Dr. Scholl Fußpflegeshops, die überall gleich aussahen, verkauft.

    Während ihres gesamten Bestehens machte die Firme ein geradezu phänomenales Wachstum durch (1979 wurde sie an Schering-Plough verkauft). Interessanterweise stellte ihr bemerkenswerter Erfolg den Mann in den Schatten, der sie gegründet hatte. Obwohl er ein extrem aktives Leben führte, blieb William Scholl (ein Doktor der Medizin, der niemals als solcher praktizierte) eher im Verborgenen, verglichen mit der Berühmtheit seiner Firma.

    Obwohl er zweifellos der berühmteste Sohn der Stadt La Porte ist, findet sich im örtlichen Museum wenig bis gar nichts über seinen außergewöhnlichen Werdegang. Und obwohl er ein Leben lang in Chicago lebte, wird William Scholl nicht im Verzeichnis der bekannten Bürger Chicagos erwähnt. Das enzyklopädische Werk „Chicago Portraits“ (June Skinner Sawyer, 1991) enthält Biographien von über zweihundertundfünfzig Prominenten der „Windy City“. Aber keine Erwähnung von Dr. Scholl. Auch in der „World Book Encyclopedia“ von 1996 fehlt ein Eintrag über den Mann, dessen Namen man auf der ganzen Welt kennt.

    Auch wenn er nicht in der Chronik der Prominenz aufgeführt wurde, entsprach das Leben von Scholl tatsächlich Horatio Algers Geschichte „Rags to Riches“ (frei übersetzt: „Vom Tellerwäscher zum Millionär“): ein Bauernjunge, der den Dreh heraus hatte, wie man Schuhe repariert, und der seine Lebensaufgabe darin sah, Menschen mit schmerzenden Füßen zu helfen. Wer war dieser Mann, der die oft zitierte Redewendung „Wenn Ihre Füße weh tun, tut Ihnen alles weh“ prägte?

    William Mathias Scholl entstammt einer langen Ahnenreihe von robusten Einwanderern. Sein Großvater Peter Scholl kam 1852 aus Deutschland nach Chicago. Er war gelernter Schuhmacher und begann in Schererville im nördlichen Indiana mit der Landwirtschaft. Peter II., der zukünftige Vater von Dr. Scholl, war gelernter Wagenbauer und betrieb ebenfalls eine Farm in der Nähe von La Porte. Am 2.Juni 1882 wurde William Scholl als dritter Sohn in einer Reihe von zehn Söhnen und drei Töchtern geboren. Achtzehn Monate später kam sein Bruder Frank John zur Welt, der später mit William zusammen dessen Fußpflegeimperium aufbauen sollte.

    „Billy“ Scholl war wissbegierig und kreativ; die Farmarbeit empfand er als langweilig und immer gleich bleibend. Er wandte sein Interesse bald der Reparatur von Schuhen zu. Er borgte sich das nötige Werkzeug von seinem Großvater und flickte seine eigenen Schuhe; nach und nach wurde er zum offiziellen Flickschuster für die ganze Familie. Erfahrung sammelte er, indem er in den Schuhreparaturgeschäften in den nahegelegenen Städten arbeitete. Als er achtzehn wurde, zog er nach Chicago und bekam dort eine Stelle als Angestellter in Ruppert´s Shoe Store. Ruppert´s war ein großes und sehr bekanntes Geschäft im Stadtteil Loop in der Innenstadt, das beträchtlichen Umsatz mit den sogenannten „Fußkomfort“-Schuhen machte. Hier wurde der junge Angestellte mit den schädlichen Auswirkungen ungeeigneter Schuhe und mit den ständigen Beschwerden seiner Kunden konfrontiert.

    Auf der Farm hatte er festgestellt, dass einige seiner Familienmitglieder, die nach einem Arbeitstag über schmerzende Füße klagten, ihre Schuhe auszogen und in bequemere Pantoffeln schlüpften. Während er bei Ruppert´s arbeitete, stellte er fest, dass auch die Stadtmenschen trotz ihrer ganz anderen Lebensweise über schmerzende Füße klagten. Der junge Scholl erkannte bald, dass schmerzende Füße ein weit verbreitetes Problem waren, und dass ein allgemeiner Bedarf bestand, den Menschen bei ihren Fußproblemen zu helfen. Diesem Bedarf beschloss er entgegenzukommen.

    Seine Entschlossenheit zu helfen zog bald viele der Kunden von Ruppert´s an. Er passte ihnen geeignete Schuhen an und begann mit verschiedenen Hilfsmitteln zu experimentierten. Er stellte fest, dass ein Zusammenhang zwischen den Fußbeschwerden und dem restlichen Körper bestand – insbesondere bei Kunden mit schlechter Haltung. Als er einmal durch die Chicagoer Innenstadt spazierte, wurde er von einem Exponat in der Harvey Medical School angezogen, das ihn so sehr faszinierte, dass er sich an dieser Schule einschrieb. Später wechselte er an das Illinois Medical College (das 1915 zu einem Teil der Loyola Medical School wurde) und besuchte Abendkurse, während er tagsüber weiterhin zur Arbeit ging.

    Bei seinen Kunden und bei seinen Patienten an der Medical School bekam er nun eine Vielzahl von Fußproblemen zu sehen. Er begann damit, Vorrichtungen zur Unterstützung des Fußes zu entwickeln. So entstand die erste Fußgewölbestütze, die aus einer verstellbaren Stahlfeder mit einem Lederüberzug bestand. Er erprobte sie an einigen seiner Kunden. Die neue Vorrichtung wirkte als Entlastung bei einem schwachen Fußgewölbe und bei Plattfüßen und rief offene Anerkennung hervor. Ein Mann, der diese Fußgewölbestütze ausprobierte, sagte: „It´s a real foot easer, isn´t it!“ (etwa: „Das ist eine richtige Wohltat für die Füße!“) – Und Scholl prägte prompt den Namen Foot-Eazer für seine erste Erfindung.

    Der Zusammenhang zwischen Fußfehlstellungen und Körperhaltung wurde in dramatischer Weise deutlich, als ein Kunde mit Rückenschmerzen, der bereits einen Termin für eine Nierenoperation hatte, die neue Fußgewölbestütze ausprobierte. Seine Rückenschmerzen verschwanden. Der Mann bot dem jungen Angestellten zehntausend Dollars an, um seine Arbeit in der Schuheinlagenbranche zu finanzieren. Scholl gab ihm einen Korb, denn er erkannte, dass diese neue Erfindung sehr wohl der erste Schritt zu seinem eigenen Geschäft werden könnte.

    Der Erfolg des Foot-Eazers war ein Wendepunkt im Werdegang von William Scholl. Nachdem er 1904 die Medical School absolviert hatte, lieh er sich von seinem Vater Geld und eröffnete sein eigenes Geschäft, nur einen Häuserblock von Ruppert´s entfernt. Hier verbrachte er viele Stunden, arbeitet oft an Sonntagen, in einem ungeheizten Gebäude, die Beine in eine Wolldecke eingewickelt, und entwickelte Stützvorrichtungen, die er dann anschließend seiner ständig zunehmenden Kundschaft anpasste. 1905 erhielt er die Patente für mehrere Vorrichtungen.  Seine dankbaren Kunden verbreiteten die Kunde, dass seine Stützvorrichtungen nicht nur die Schmerzen linderten, sondern es ihnen auch ermöglichten, so bequem zu arbeiten, dass dies nicht nur eine beträchtliche Besserung der allgemeinen Gesundheit und Vitalität, sondern in manchen Fällen sogar des Einkommens zur Folge hatte.

    Um seine Produkte bekannt zu machen begann Scholl im Chicago Tribune zu werben. Seine ersten Anzeigen hielten sich an ein Schema, das er jahrelang beibehielt. Sie waren klein, aber sehr wirkungsvoll. In der einen Anzeige hieß es: „Müde Füße“. Darunter war der Name des Mittels ausgeschrieben: „Dr. Scholl ´s Fußgewölbestützen“. Dadurch wurde ein weit verbreitetes Fußproblem unteilbar mit den Hilfsmitteln von Scholl verbunden. Einige der Anzeigen stellten einen Fuß dar, der von einer Scholl-Einlage gestützt wurde. Die Einwände, die eine Zeitung anfänglich noch gegen den nackten Fuß vorbrachte, wurden vom Doktor schnell abgewürgt. Er machte auf die spärlich bekleideten Badeschönheiten aufmerksam, die regelmäßig in der Zeitung abgebildet waren.


    www.scholl-schuhe.at

    www.drscholls.com


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