Beyoncé - Look & Listen
Hinhören oder hinschauen, eine der ewigen Fragen im Pop. Was reizt bei welchem Popstar mehr, die Tiefe der Bassdrum oder die Tiefe des Ausschnitts? Haben unsere (Groß-)Mütter an Elvis zuerst den Rock’n’Roll wahrgenommen oder den Hüftschwung?
Beyoncé Knowles gehört zu den Kandidatinnen, bei denen sich die beiden Seiten immer wieder perfekt ergänzt haben. In ihr sind die R’n’B-Sirene und die Edel-Tussi eine perfekte Symbiose eingegangen. Man denke nur an das „Booty-licious“-Video zu Destiny’s Child-Zeiten oder an das Diamantenoberteil in ihrer „Dangerously In Love“-Phase: Schock auf mehreren Sinnes-ebenen.
Wie reibungslos das System Beyoncé funktioniert und wie hart erarbeitet es ist, merkt man allerdings erst, wenn Musik und optische Inszenierung einmal nicht zusammenpassen. Das letzte Beyoncé-Album tappte in diese Falle. Musikalisch war „B’Day“ eine ziemlich Street-mäßig dahinrumpelnde Platte, das CD-Booklet wollte umso mehr Glam und zeigte eine grell geschminkte junge Dame im Callgirl-Outfit, die zwei Krokodile an der Leine spazieren führte – autsch.
In dem Streifen „Dreamgirls“ musste Beyoncé ihren Song „Listen“ besonders inbrünstig schmettern, um gegen die dominanten Retro-Kostüme anzukommen. Bei ihrem Wien-Konzert wird sie wohl Stücke der etwas dezenteren familieneigenen Modelinie House of Deréon ausführen, die sie zusammen mit ihrer Mutter Tina betreibt. Dazu ein paar amtliche Hits, und schon schnurrt die R’n’B-Traum-
maschine wieder.
Live: 8.5. Stadthalle, Wien
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