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    Mittwoch, 10. Oktober 2007 | Porträt

    New York

    Die US-amerikanische Metropole am Hudson River ist styletechnisch kaum zu fassen ...

    (c) Tom Haslinger

    Ein Typ mit Gasmaske, Latexhose und Schoßhund an der Leine. Ein Superslimcut-Anzug mit Hochwasserhosen in Begleitung einer Motorradjacke plus Petticoat plus Turmfrisur wie aus dem Jon Waters-Musical-Remake „Hairspray“. Ein Riese in Converse Chucks großkarierter Jacke und ssur-Shirt, von dem Jack Nicholson den Passanten blutrünstig („Shining“) entgegenbleckt. Und schließlich eine Businesstante schwebend auf Jimmy Choo‘s, die sie vermutlich ganz locker aus der Portokassa bezahlt hat, jedenfalls lässt der Rest ihrer Garderobe darauf schließen.
    Solche Begegnungen muss man nicht suchen, sie ergeben sich in New York innerhalb von einer Minute ganz automatisch.

    Natürlich kann man auch an der falschen, an einer faden Straßenecke herumstehen und schauen. Also nicht etwa im noch immer schicken SoHo, in NoLita (North of Little Italy), im gemütlichen Brooklyn oder im wieder entdeckten Harlem, sondern irgendwo in Midtown, rund um den schrillen Times Square, wo einem Touristen in Jeans und T-Shirts oder gehetztes Arbeitsvolk uniform entgegen quellen. Jede Menge Ketten-Klamotten von Express, Fcuk oder Gap, Sneakers aus derselben Quelle – Basics für jeden Tag. Aber dazwischen mischt sich Fashion, die auf Understatement, nein: auf Streetwear tut. Röhrenjeans mit hohem und noch höherem Bund. Dazu kreuzbrave Polos – kommt etwa der Schülerlook zurück? Ziemlich viel Strickzeug, Hüte und opamäßige Cardigans. Und man trägt allerhand Bekenntnisse vor sich her – am T-Shirt oder am Kapuzenshirt, weil in New York jeder was zu sagen hat. Selbstbewusstsein durch Haltung.

    Weniger als in anderen Metropolen noch gibt es keine übersichtliche, schön sortierbare Modeszene, keinen kompakten Style, sondern nur einen Wust vom Nebeneinander, von Gleichzeitigem, von Überschneidungen. Man kauft sich seine Nikes in der überdrüberdimensionalen Niketown, grast East Village nach außergewöhnlicher Vintage ab und läuft dort schon einmal irgendeinem Star über den Weg, man gönnt sich bei Barneys oder Bloomingdales doch ein Designerteil. Wenn man die Departmentstores von Century 21 einmal betritt, kommt man immer mit ein paar kompatiblen Teilen raus. In Chinatown rund um die Canal Street fischt man aus unglaublich viel Glumpert ordentliche Fakes. Und schließlich komplettiert man das ganze mit Streetwear, das von den unzähligen Grafikstudios zwischen Brooklyn und der Bronx auf die Straße kommt.

    Vielleicht ist das der Trend, der einen Stream der New Yorker Modeszene bestimmt: Das Web als Link zwischen Atelier und Masse lässt Streetwear immer weiter in den Mainstream und in Folge auch in die Fashion-Gefilde vordringen. Das wird deutlich, wenn man zum Beispiel bei Union in Manhattan Hoodies aus Casmehere in die Hand bekommt, die so viel kosten wie vier Teile bei „The Reed Space“ in der Orchard Street (East Village). Übrigens: Der Shop und die Straße sind überhaupt eine gute Adresse, um in die ganze Streetart-Geschichte einzutauchen: Hier etwa findet man eine  viele aufstrebende oder schon bekannteren Label – etwa „Fat Cop XXL“, die sich in ihren Sujets gegen die Polizeiübergriffe wehren, „Hellz Bellz“ mit provokativen Grafics, „10.Deep“, eine typische New Yorker Brand oder „Selector“ ganz für die Reggae-/Ragga Zielgruppe. Japanische Labels sind in New York grundsätzlich sehr präsent, man trägt Labels wie etwa Uniqlo, shoppt bei „Zakka“ in der Grand Street, wo man in japanische  Subkultur eintaucht. Nicht zuletzt, weil sie oft sehr extravagant sind.

    Zur Orientierung: Brooklyn ist Heimat vieler interessanter kleiner Labels, die Gegend rund um die Smith Street oder die Atlantic Avenue besonders ergiebig. An der Lower Eastside muss man zu Alife, um Streetwear und Sneakers zu shoppen. In NoLita haben sich zahlreiche junge Designer angesiedelt. Und es gibt Reviere, die mehr Kapital erfordern: Etwa das Meat Packing District im West Village, wo zuerst die Fleischhauer, dann die Kreativen, dann die Geschäftemacher kamen. Rund um die 14. th St. stolpert man über Shops von Marchesa oder Marc Jacobs. Man kann aber gleich zu „Jeffrey‘s“ gehen, da gibt‘s alles in einem. Schwellenangst haben, solche Shops zu betreten, ist oft fehl am Platz – vielleicht nicht an der 5.th oder der Madison Avenue, wo sich schwerste Upperclass einkleidet. Aber die meisten Verkäufer sind gewöhnt, dass man wegen des Shopdesigns kommt, in das New Yorks Fashionszene so viel investiert – und ist dementsprechend wenig arrogant.

    Hier gehts zur Streetfashion-Diashow



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