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    Samstag, 15. August 2009 | Fashion

    Das Spiel des Giles Deacon

    Immer wenn es darum geht, aus einem Kleid ein Ereignis zu machen, tritt der englische Designer Giles Deacon mit sicherem Tritt und Lust am Spiel auf den Plan.

    Das Kleid ist ein Kleid und bleibt ein Kleid

    Einerseits ist Giles Deacon so nett, dass man seine Kleider schon haben möchte, bevor man sie noch gesehen hat. Andererseits ist er so normal, dass man sich fragen muss, ob die Kleider nicht vielleicht doch ein wenig langweilig geworden sind. Bevor man sie gesehen hat, wie gesagt.

    Der hochgewachsene Engländer hat den linkischen Charme eines Bibliothekars in Ausbildung und kleidet sich wie jemand, der sich entweder über sein Styling keine Gedanken macht, oder schon längst weiß, wie es geht. Letzteres ist anzunehmen.

    Täglich untersucht: Linie, Form, Farbe und Textur

    Giles Deacon ist ein Mensch, der das Zusammenspiel von Linie, Form, Farbe und Textur tälich systematisch untersucht und seine Stilsicherheit routinemäßig überprüft. Er zeichnet. Der Boden, auf den er sich immer wieder bringt, wenn die plötzlichen Luftbewegungen des Modegeschäfts das Manövrieren erschweren, ist das Papier. Bis dato hatten die Böen keine Chance. Giles Deacon blieb auf Kurs. Er absolvierte die Londoner St. Martin's School, eine internationale Mode-Kaderschmiede, entwarf für Bottega Veneta und Gucci, fing mit eigenen Kollektionen an, wurde 2006 britischer Designer des Jahres.

    Mit gutem Grund: Giles Deacon liebt es klassisch. Gute Proportionen, einfache Linien, Kleiderformen, wie sie im Lehrbuch stehen: A-Linie, New Look, alles, was die Geschichte der Mode an Klassikern hergibt. Dann kommt sein Spieltrieb hinzu. Auf eines seiner Kleider aus der aktuellen Sommerkollektion ist ein Röntgenbild aus bunten Swarovski-Steinen genäht. Es geht jedoch nie so weit, dass aus einem ernstzunehmenden Kleid eine schrille Kostümierung wird. Das Kleid ist ein Kleid und bleibt ein Kleid. Er verbraucht seine Arbeit nicht, um sich als kreatives Genie zu inszenieren, sondern sieht sich als Erfinder von Produkten, die gekauft und verwendet werden sollen.

    "Das beste Regulativ sind die Leute, die in den Shops arbeiten. Ich frage sie immer, wie die Kunden reagieren und wie was ankommt. Die Aussagen sind besser als alle Trend- und Marktforschungen zusammen."

    Durch sein Talent die gestalterische Grundanforderung eines Produktes zu erfüllen und gleichzeitig den Spieltrieb auszuleben, mach er sich zum beliebten Partner für Kollaborationen aller Art. Sein Engagement beim italienischen Label Fay spielt alle diese Stücke.

    Fay-Jacken sind bekannt für ihre strenge Form, die nun um ein paar Details ergänzt werden, welche das Gesamtbild genug stören, um es interessant zu machen. Ein Trenchcoat von Fay bekommt ein wildes Rosenmuster unter den Kragen, welches man jedoch nur sieht, wenn der Kragen hochgeschlagen wird. Dieser Stil kommt sehr englisch rüber. Das sieht auch die britische Modeszene so und wundert sich umso mehr, dass Giles Deacon seinem Land untreu wird. Vor kurzer Zeit hat er nämlich angekündigt, die Frühjahrskollektion 2010 nicht in London, sondern in Paris zu zeigen. Und das in Zeiten zu denen sich die meisten jungen englischen Designer bei der London Fashion Week präsentieren und dem Pariser Laufsteg den Rücken kehren.


    nymag.com/fashion/fashionshows/designers/bios/gilesdeacon/

    www.vogue.co.uk/biographies/080422-giles-deacon-biography.aspx

     








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