Im Geschlechterkampf ist die Wahrheit eine Zumutung
Abby (Katherine Heigl, "27 Dresses") ist eine erfolgreiche, etwas biedere TV - Produzentin in Sacramento – Single, versteht sich: Partnerschaft oder Karriere? Man kann nicht alles haben! Nach einem harten Arbeitstag möchte sie in der Call - In - Sendung "The Ugly Truth" abladen: Im offenen Kanal lässt sie sich über die Männer aus und beschreibt in einer blumigen Sprache ihren Mr. Right (zehn punktiger Anforderungskatalog, z.B.: Leitungswasser statt Mineralwasser): Was der nicht alles können muß! Der chauvinistische Moderator Mike (Gerard Butler, "300") verweist diesen ins Traumreich – ihre Landung: unsanft. Als der Macho in Abbys Fernsehstation ein Forum erhält – er wird als Upcoming Star gefeiert, der die Morning Show vorm Vaporisieren retten soll - und ihr Chef ausgerechnet sie zu seinem Producer macht, schließt sie eine Wette mit ihm: Er hilft ihr, den Traummann zu finden, oder er verabschiedet sich wieder vom Sender. Naturgemäß begegnet sie jemand - und zwar ihrem Nachbarn Colin (Eric Winter), einem gutaussehenden Arzt -, selbstverständlich wirken Mikes Einflüsterungen und Beratungen (etwa in der BH - Wahl), und – auch klar – gibt es zuletzt einen Twist.
Screwball vs. vibrierende Slips
Tja, "die Liebe ist ein seltsames Spiel ..." (Connie Francis) oder mit Nietzsches Zarathustra gesprochen: "Es wird sich euch nie etwas ereignen als ihr euch selber!" Der Regisseur Robert Luketic ("Das Schwieger - Monster", "Natürlich blond") hat sichtlich keine Angst vor der peinlichen Szene: Einmal – beim Geschäftsessen - verschafft Abby ein dicklicher Junge einen Orgasmus (gute Idee von Mike: einen vibrierenden Slip braucht die Dame von Welt, ausgerechnet vor diesem wichtigen Meeting muss ihr die Fernbedienung entgleiten), in einer anderen Szene begleitet sie ihren Neo - Schwarm Colin zum Baseball, dessen Bier sie in seinem Schritt verteilt. Wie man sich denken kann, wird der nun folgende Reinigungsversuch der sonst auf Asepsis Schwörenden groß auf die Stadionleinwand projiziert: Dort wiederum sieht die Aktion wie ein Handjob aus. Kurzum: Der Witz funktioniert hier manchmal via Triggerns primitiver Schadenfreude. Dabei hat Luketic behauptet, sich an den großen Screwball - Komödien orientiert zu haben:
Der Geschlechterkampf war auch schon mal geistreicher. "Die nackte Wahrheit" wird sich zwar nicht zum Klassiker aufschwingen, doch diese Romantic Comedy hat wirklich anarchische Momente (da wird wohl versucht, auf den Judd Apatow - Zug aufzuspringen), when it comes to heart ist sie sentimental bis pathetisch, die stilleren Szenen hängen ein wenig durch. Und trotzdem: Herzerwärmendes Lachen ist möglich – das Rom - Com - Schema F wird zwar über Gebühr beansprucht, manchmal ist aber auch ein anständiges Mittelmaß annehmbar (da haben wir schon viel Jenseitigeres gesehen). Ich versuch’s noch mal: Man braucht sich nicht schämen, wenn man hier genüßlich lacht. Herz, was willst Du mehr?!
"Die nackte Wahrheit"
Regie: Robert Luketic
Darsteller: Katherine Heigl, Gerard Butler
Start: 02.10. (A) 01.10. (D)