Wo die wilden Kerle wohnen
Er spricht mit dem Gartenzaun, jagt im Wolfskostüm dem Hund hinterher oder verschanzt sich in einem selbst gebauten Fort. Doch kindlicher Übermut und Trotz geraten außer Kontrolle, und so läuft Max nach einem Streit mit seiner Mutter von zuhause weg. Er findet ein kleines Segelboot, das ihn zur geheimnisvollen Insel der »wilden Kerle« bringt. Um nicht gefressen zu werden, tischt er den übergroßen, zotteligen Monstern eine seiner fantasiereichen Geschichten auf – und lässt sich zu ihrem König krönen. Sein erster Befehl: »Jetzt machen wir Krach!« Aber auch in Max’ neuem Reich kann der größte Spaß ganz schnell in Wut oder Angst umschlagen, denn jeder einzelne der neu gewonnenen Freunde hat seine Eigenheiten: der impulsive Carol, sein verlässlicher bester Freund Douglas, der sanfte Ira, dessen stimmungstötende Freundin Judith, der oft unbeachtete Alexander, der bedrohliche Bernard und die Einzelgängerin K.W. – sie alle spiegeln Facetten der kindlichen Gefühlswelt des Jungen wider und lassen ihn schließlich fürs echte Leben lernen: Es ist gar nicht so leicht, für andere die Verantwortung zu tragen. Die Fantasie hat in Spike Jonzes Filmen (etwa »Being John Malkovich«) stets eine große Rolle gespielt. Maurice Sendaks 1963 erschienenen Kinderbuchklassiker »Where The Wild Things Are« hat er – gemeinsam mit dem US-Autor Dave Eggers – zur ebenso unheimlichen wie chaotischen Ode an die Kindheit ausgebaut. Der rumpelnde Soundtrack kommt von Karen O, die Stimmen der »wilden Kerle« von Stars wie James Gandolfini (»Die Sopranos«) oder Forest Whitaker (»Der letzte König von Schottland«). Ein Film der gemischten Gefühle: mal melancholisch, mal ausgelassen, stets aber herzergreifend. (9/10)
Regie: Spike Jonze
Label: Warner Home Video; DVD, Blu-ray